Vor kurzem wurden von der Central Intelligence Agency (CIA) erarbeitete Dokumente bekannt, in denen die US-Spionagezentrale u. a. erklärt, wie sie 1959 begann, Personen kubanischer Herkunft zu benutzen, um ihr Ziel, die kubanische Revolution zu vernichten, tarnen zu können. Der Bericht wurde in Washington am 22. Februar 1998 vom Nationalen Sicherheitsarchiv veröffentlicht. Aufgabe dieser Sonderbehörde ist die Publikation von Regierungsdokumenten, deren Geheimhaltungsvermerk aufgehoben wurde. Entsprechend verfuhr sie mit den vorliegenden, von Lyman Kirkpatrick verfassten Papieren, die einen Zeitraum umfassen, der bis zum Scheitern der Invasion in der Schweinebucht reicht. Die kubanische Zeitschrift "Granma Internacional" hat die Papiere eingesehen. Hier ihr Bericht.

 

Von Nicanor Leon Cotayo

Der Beginn der Geschichte dieses kriegerischen Plans geht laut Kirkpatricks Bericht auf den August 1959 zurück als die CIA dem damaligen Präsidenten Dwight Eisenhower den Vorschlag unterbreitete, paramilitärische Einheiten aufzustellen; um sie in Krisensituationen in Lateinamerika einzusetzen.
Einen Monat später forderte die CIA bei den übrigen Geheimdiensten genaue Daten an, wobei Kuba von besonderem Interesse war. Im darauffolgenden Dezember lag bereits ein Plan vor, "Exilkubaner als paramilitärische Ausbildner" für ihre Landsleute zu schulen, "um diese illegal in Kuba einzuschleusen, damit sie die Führung der Anti-Castro-Dissidenten übernehmen."
Aus dem Dokument geht weiter hin hervor, dass die CIA "Nachforschungen über die kubanischen Oppositionsführer" anstellte, "um sie für die Bildung einer politischen Einheitsfront zu bewegen, sie als Instrument zur Verschleierung von Untergrundoperationen einzusetzen und als Sammelbecken für Anti-Castro-Kubaner zu nutzen". Gleichzeitig suchten Agenten in der Karibik nach einem geeigneten Ort für einen starken Radiosender, der auf Kuba ausgerichtet werden sollte.
Im März 1960 teilte die Agency Präsident Eisenhower mit, sie stehe in enger Verbindung mit drei "wichtigen und ernstzunehmenden" Gruppen von Anti-Castro-Kubanern, deren Vertreter zusammen mit anderen Gruppen eine vereinten Oppositionsrat bilden würden.
Sie berichtete dem US-Präsidenten, man unterstütze bereits Radiosendungen von Miami aus. Ausserdem verteile eine ausgesuchte Aktionsgruppe ausserhalb Kubas Propagandamaterial und "Castro-Gegner reisen als Referenten durch lateinamerikanische Länder".

 

Verdeckte Aktionen

Aus Lyman Kirkpatricks Bericht geht weiter hervor, dass der Präsident der Vereinigten Staaten am 17. März 1960 das CIA-Dokument "A Program of Covert Action Against the Castro Regime" (Ein Programm verdeckter Aktionen gegen das Castro-Regime) absegnete und damit der Agency erlaubte, folgenden Plan in die Tat umzusetzen:

a) Schaffung einer Organisation von Exilkubanern zur Gewinnung von weiteren Anhängern, zur Leitung von Aktionen der Opposition und zur Deckung von Operationen der CIA.

b) Durchführung einer Propagandaoffensive im Namen der Opposition.

c) Schaffung eines Untergrundapparates in Kuba, um Informationen zu beschaffen und um Aktionen durchzuführen, für die er gegenüber der Leitung der Exilorganisation verantwortlich ist.

d) Schaffung einer kleinen paramilitärischen Einheit ausserhalb Kubas, die ins Land eingeschleust werden soll, um Widerstandsgruppen zu organisieren, auszubilden und zu leiten.

Dem Bericht zufolge waren damals von der CIA 4,4 Millionen Dollar für diese Aktivitäten vorgesehen, davon 950.000 für politische Aktionen, 1,7 Millionen für Propaganda, 1,5 Millionen für die paramilitärische Einheit und 250.000 für die Beschaffung von Informationen.
An anderer Stelle heißt es dort, im April 1960 habe der Direktor der CIA in einer Versammlung gesagt, er würde sein Personal "an jeden beliebigen Ort der Welt" schicken, wenn es für den in Angriff genommenen Plan erforderlich sein sollte.
Im Mai 1960 kam es zu zwei bedeutenden Ereignissen. Zum einen kam die sogenannte Bender-Gruppe auf, eine Gruppe vermeintlicher US-Geschäftsleute, die von der CIA zur Weiterleitung ihrer Anweisungen an Oppositionsgruppen kubanischer Herkunft benutzt wurde, und zum anderen erschien die sogenannte Demokratisch-Revolutionäre Front auf der Bildfläche, die von der Agency gefördert wurde und vorgab, mehrere Gruppierungen des Exils zu vertreten und für die Freiheit Kubas zu kämpfen. Aber "bald kam es zu Machtkämpfen" innerhalb der Führung dieser Front, heißt es in dem Papier.
Parallel dazu wurde die Propaganda gegen die Revolution in ganz Lateinamerika verstärkt, wozu eine Radiostation auf der Insel Swan eingerichtet wurde, die am 17. Mai 1960 erste Probesendungen ausstrahlte.
Als 25 Jahre später Präsident Ronald Reagan ebenfalls einen Propagandasender ins Leben rief, der zynischerweise den Namen Radio Martí erhielt, stellte der angesehene demokratische Senator Claibome Pell in einem Artikel in der Los Angeles Times fest, die Absicht, die dahinter stecke, erinnere ihn an Radio Swan Anfang der 60er Jahre - ein "von der CIA finanzierter Sender, der sich durch härteste Propaganda gegen Kuba auszeichnete."

 

Antikuba-Zentrum Miami

Der Plan, so geht aus dem Dokument hervor, der mit der Invasion in der Schweinebucht endete, verwandelte Miami in die wichtigste Quelle von Informationen, Agenten, Politikern und Personen kubanischer Herkunft, die angeheuert wurden. Gleichzeitig hatte man die "volle Unterstützung" der lokalen FBI-Büros, des Grenzschutzes, der Einwanderungsbehörde, der Küstenwache, des Bundesausschusses für Kommunikation, des Zolls, der Marine und der Polizeibeamten.
Die Auswahl paramilitärischer Rekruten begann in Miami im April 1960, zwei Monate später wurden sie erstmals in Panama ausgebildet. Zwischenzeitlich wurden auch andere Orte für die geplanten Aktivitäten in den USA und anderen Ländern ausgewählt.
Damals, so wird im Bericht angefügt, habe ein desertierter kubanischer Marineattaché eine Erklärung abgegeben, in der es heißt, die Exilkubaner in Miami wüssten, dass "es da zu viele US-Amerikaner gäbe, die Geld verteilen."
Ferner heißt es in diesem Bericht, die Demokratische Revolutionäre Front habe die CIA um ein Darlehen von monatlich 500.000 Dollar zur Deckung ihrer Kosten gebeten, worin die Ausgaben für die paramilitärischen Aktivitäten nicht einbezogen waren. Die Agency antwortete daraufhin, man würde ihnen 131.000 Dollar gewähren, und das auch nur, wenn sie sich an den von ihr benannten Stellen niederließen.
Im Juli 1960 begann man programmgemäß Personen kubanischer Herkunft als Piloten auszubilden und mit dem US-Verteidigungsministerium über den Kauf von Flugzeugen des Typs AD-5 sowie mit der Marine über die Entsendung von 75 Ausbildern und Wartungspersonal zu verhandeln.
Ebenso wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, Dissidentengruppen in drei Gebieten der Insel - in Pinar del Río; dem Escambray und der Sierra Maestra zu unterstützen und zu leiten. "Diese Gruppen werden für eine abgestimmte Guerillaaktion gegen das Regime trainiert werden." "Wir können mit Sicherheit feststellen, dass der Agency keine Beweise von ihren Spionagedienststellen darüber vorlagen, dass sich eine größere Anzahl Kubaner den Invasoren anschließen würden oder dies konkret vorgehabt hätten", so Lyman Kirkpatrick.
Im September 1960; so wird in dem Bericht hervorgehoben, setzte sich die Idee des direkten Angriffs durch, als ein Oberst der Marineinfanterie mit Erfahrung in Landungseinsätzen zum Chef der paramilitärischen Gruppe ernannt wurde.
Am Tag des Angriffs, im April 1961, verfügte die Abteilung Spionageabwehr bereits über 39 Personen kubanischer Herkunft, die sorgfältig ausgewählt und dazu bestimmt worden waren, im "künftigen kubanischen Geheimdienst" eingesetzt zu werden, und "es gab außerdem hundert ausgewählte Kubaner, die als künftige Beamte des Abwehrdienstes und der Zivilregierung ausgebildet worden waren."
Mit der Freilegung der Geheimdokumente wurde also bekannt, dass die CIA bereits in den 60er Jahren mit dem Aufbau des künftigen Sicherheitsapparates der Insel begann und sogar die Mitglieder für ihre Regierung ausbildete, für den Fall, dass die Revolution gestürzt würde - ähnlich wie es Jahre später in anderen Worten in das Helms-Burton-Gesetz aufgenommen wurde.

 

Im Westen nichts Neues

Dieses Dokument, das nun nicht mehr der Geheimhaltung unterliegt und das sich auf die zwei Jahre vor der Invasion in der Schweinebucht bezieht, und von dem ich hier nur einige Teile angesprochen habe, bedarf zumindest einiger Erläuterungen, obwohl man es noch viel umfangreicher kommentieren könnte.
Es beweist die Richtigkeit der kubanischen Stellungnahmen zu diesem Vorfall. Das gleiche war der Fall, als vor einigen Wochen Expertenberichte des Pentagon von März und April 1962 über geplante Provokationen bekannt wurden, die einen militärischen Angriff gegen Kuba rechtfertigen sollten. In späteren Jahren ist tatsächlich oft so verfahren worden. Kuba lügt nicht.
Das Eingeständnis der CIA beweist wieder einmal, dass diese Spionageorganisation aus Kuba stammende Anhänger einer Annexion der Insel, die ihr fast 40 Jahre sowohl in Havanna als auch in Miami und anderen Orten zu Diensten standen, stets wie drittklassige Marionetten behandelt hat.
Hat sich dieses Verhalten jenen gegenüber, die ihr heute in Kuba, in viele "unabhängige" Grüppchen aufgeteilt mit dem gleichen Engagement dienen wie ihre Vorgänger, etwa verändert? Nein. In ihrer offiziellen Propaganda werden sie groß herausgestellt, aber in Wirklichkeit werden sie nur als Rohmaterial für die Vernebelung ihrer Absichten betrachtet.
Der veröffentlichte Bericht ist ein erneuter Beweis für die Tatsache, dass sich Miami schon damals in ein großes Operationszentrum der CIA gegen Kuba verwandelte, - und dass auch seit damals viele vermeintliche Organisationen entstanden, die sich sowohl als Ausgangsbasis terroristischer Anschläge nutzen ließen, als sich auch dafür eigneten, sich zu flammenden Verfechtern der Menschenrechte emporzuschwingen. Einige dieser Organisationen mit dem Auftrag, Kuba ständig zu kritisieren, bestehen auch heute noch.
Erneut wird damit bestätigt, dass die CIA seit über dreieinhalb Jahrzehnten einen wahren Ätherkrieg gegen die Insel führt, der mit aktuell durchschnittlich 1.500 Sendestunden wöchentlich weitergeführt wird. Darin wird das gesendet, was die Agency für die Wahrheit hält.
Das wichtigste dabei ist aber, dass wieder einmal, anhand eindeutiger Dokumente, aufgezeigt wird, wie die USA viele Jahre lang Aggressionen aller Art gegen Kuba planten und ausübten. Erneut zeigt sich, dass Washington in bezug auf Kuba vor der Weltöffentlichkeit die Charta der UNO und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) mit Füssen getreten und das Völkerrecht missachtet hat - und das mit einer Haltung, die eher den Gesetzen des Dschungels folgt, als einer zivilisierten Welt zu entsprechen. Hinzu kommt, dass sich die US-Regierung erdreistet, Kuba anzuklagen, ein Land ohne Demokratie zu sein, in dem die Menschenrechte verletzt werden. Sie behaupten sogar, CIA-Machenschaften gegen die Insel, wie die kürzlich erst aufgedeckten, seien im Namen dieser beiden Ideale durchgeführt worden.
Die Enthüllungen vom 22. Februar über die CIA-Aktivitäten gegen Kuba dienen auch als Beweis für das Maß, in dem unsere Nation unter einem realen, mehr oder weniger stillen Krieg zu leben hatte. Daher muss jede Analyse unseres vergangenen und jetzigen Tuns, sowie jede Untersuchung dessen, was wir eben nicht tun, immer im Hinblick auf diesen Umstand betrachtet werden.
Ihren eigenen Berichten zufolge baute die CIA seit 1959 als kubanisch getarnte Gruppen auf, um sich hinter dieser Fassade ungehindert bewegen zu können. Ende der 90er Jahre hat sich deren Vorgehen nur äußerlich etwas geändert. Das ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bericht, den der damalige Generalinspektor Lyman Kirkpatrick einst für die Spionageorganisation verfasst hat.

 

 

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