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Allgemein: Mit dem Einfall Japans in die Mandschurei entstand am 19. August 1931 der erste Kriegsherd. Als Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte und die NSDAP die Macht in Deutschland übernahm, wuchs die Kriegsgefahr in Europa. Deutschland betrieb unter Hitlers Führung eine rücksichtslose Hochrüstung, von der auch die neue Kriegsflotte profitierte. Die Errichtung der faschistischen Diktatur bedeutete den Beginn der unmittelbaren Kriegsvorbereitung, die im März 1938 mit der Annektierung Österreichs durch Deutschland, und der Okkupation der Tschechoslowakei am 15. März 1939 ihren Höhepunkt erreichte. Die Wehrmacht hatte bei ihren Einsätzen im spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939, als sie die faschistischen Franco-Truppen unterstützte, ihre "Generalprobe" für den zweiten Weltkrieg. Allerdings hatte die Kriegsmarine vor Ibiza während des spanischen Bürgerkrieges hohe Verluste, als das Panzerschiff "Deutschland" durch eine Bombe republikanischer Flieger getroffen worden war.
Inzwischen hatte sich ein faschistischer Block mit dem Abschluss des Antikomminterpaktes am 25.11.1936 zwischen Deutschland und Japan herausgebildet. Das faschistische Italien, das 1935 in Äthiopien eingefallen war und am 07.04.1939 Albanien annektiert hatte, schloss sich 1937 den Block an: Achse Berlin-Rom-Tokio. Mit dem japanischen Überfall auf den amerikanischen Flotten-Stützpunkt Pearl Harbor in Hawaii 1941 trat nicht nur Japan offiziell in den zweiten Weltkrieg ein, sondern wurde auch die USA in den Krieg gezwungen und dieser auf den Stillen Ozean erweitert. Zuvor entfesselte das faschistische Deutschland mit dem Überfall auf Polen am 01. September 1939 den zweiten Weltkrieg. Frankreich und Großbritannien erklärten daraufhin Deutschland den Krieg (3.9.1939). Am 9. April 1940 fiel die Wehrmacht in Dänemark und Norwegen ein, am 10. Mai 1940 wurde die Niederlande und Belgien überfallen und der Feldzug gegen Frankreich begonnen. Die Wehrmacht überrannte geradezu Westeuropa, ein neues Wort verbreitete Angst und Schrecken: Blitzkrieg. Am 22. Juni 1941 fiel die Wehrmacht in die Sowjetunion ein, und 1941 schickte das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) deutsche Truppen zur Verstärkung der italienischen Verbündeten nach Nordafrika.

Als Erich Raeder im Jahre 1928 die Leitung der Reichsmarine übernahm, steckte der Neuaufbau der Flotte noch in den Anfängen. Nach dem ersten Weltkrieg hatten die Vertragstexte von Versailles (später auch das deutsch-englische Flottenabkommen vom Juni 1935) für alle Schiffsklassen eine Höchsttonnage festgelegt. Um die Beschränkungen zu entgehen, operierte die Reichsmarine und später auch die Kriegsmarine einfach mit falschen Zahlen. Viele Neuaufbauten waren um zehn bis zwanzig Prozent, in manchen Schiffsklassen sogar um dreißig Prozent größer als zulässig. Raeder hatte diesen Betrug nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich angeordnet.
Auch in Punkto der U-Boote wurde der ab dem 10.01.1920 in Kraft getretene Versailler Vertrag übergangen. Noch 1920 hatte die Germania-Werft und die Vulkan-Werft mit Zustimmung der Marineleitung die Konstruktionsunterlagen der Boote U-142 und U-117 an Japan verkauft. In Japan wurden nach diesen Unterlagen unter Aufsicht deutscher Konstrukteure U-Boote gebaut, bei deren Erprobung auch ein früherer U-Boot-Offizier teilnahm. Etwa zur selben Zeit gründeten drei deutsche Werften unter dem Namen einer Deckfirma in den Niederlanden ein Konstruktionsbüro für U-Boote, in dem dreißig deutsche Ingenieure und Konstrukteure beschäftigt waren. Nach den in den Niederlanden erarbeiteten Plänen wurde mit Unterstützung der Leitung der Reichsmarine 1925 für die Türkei ein 250-Tonnen-Boot gebaut. Etwas später vergab die Marineleitung Entwicklungs- und Bauaufträge für ein 750- und ein 1000-Tonnen-Boot nach Finnland. Die Probefahrten dieser beiden U-Boote wurden bereits zur praktischen Ausbildung von See- und Ingenieuroffizieren der künftigen deutschen U-Boote genutzt. Weitere Entwicklungs- und Bauaufträge wurde an schwedische und spanische Werften vergeben. Die Probefahrt des in Spanien gebauten U-Bootes fand 1931 ausschließlich unter deutscher Leitung und mit deutschem Personal statt. Später organisierte die Marineleitung einen Verkauf dieses Bootes an die Türkei, die es unter dem Namen "Gür" in  ihre Kriegsmarine einreihte. Dieses Boot, das nach den Forderungen der Marineleitung gebaut worden war, war der Prototyp des 862-Tonnen-Bootes I A. Ein erneuter Bauauftrag an eine finnische Werft ist 1930 vergeben worden. Dieses 250-Tonnen-Boot wurde der Prototyp für die späteren U-Boote U-1 bis U-24, die in zwei Varianten gebaut wurden.
1932 begann die Reichsmarine mit der illegalen Ausbildung von U-Boot-Besatzungen. Nach Errichtung der faschistischen Diktatur wurde der Aufbau der U-Boot-Waffe beschleunigt vorangetrieben. Unter strengster Geheimhaltung wurden Maschinen, Apparaturen und Zubehör für 12 der 250-Tonnen-Boote in Kiel eingelagert und Baukapazitäten für 6 weitere Boote dieses Typs geschaffen. Am 29. Juni 1935 wurden die ersten 12 U-Boote in Dienst gestellt und schon 1937 bestanden drei U-Boot-Flottillen. Bereits im März 1935 hatte die deutsche Regierung die militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages außer Kraft gesetzt, die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt, den offenen Aufbau von Luftstreitkräften und die Aufstellung von Panzerverbänden begonnen.
Im Frühjahr 1939 setzte Raeder ein klotziges Bauprogramm bei Hitler durch, den sogenannten Z-Plan, der vor allem gegen Großbritannien gerichtet war. Für seine Verwirklichung waren fünf bis sechs Jahre vorgesehen. Es sollte eine Flotte von 10 Großkampfschiffen, 15 Panzerschiffen, 4 Flugzeugträgern, 49 Kreuzern, 158 Zerstörern und Torpedobooten, 75 Schnellbooten, 227 Minensuch- und Räumbooten sowie 249 U-Booten gebaut werden. Die Kriegserklärung Großbritanniens machte diesen weitgespannten Plan zunichte.
Im Polenfeldzug fielen der Kriegsmarine nur untergeordnete Aufgaben zu. Ein altes Linienschiff, die "Schleswig Holstein", lag Ende August 1939 im Hafen von Neufahrwasser bei Danzig an der Pier, angeblich zu einem Freundschaftsbesuch. Als Hitler den geplanten Angriffstermin nicht einhalten konnte, wurde der "harmlose" Besuch kurzerhand um einige Tage verlängert. Am Morgen des 1. September beschoss das deutsche Kriegsschiff aus günstiger Position die polnischen Befestigungsanlagen auf der Westerplatte, fügte der völlig überraschten Besatzung schwere Verluste zu und ermöglichte auf diese Weise die handstreichartige Besetzung Danzigs durch Hitlers Truppen.
Erich Raeder arbeitete die Operation "Weserübung" zur Invasion Norwegens aus. Er stützte sich auf eine Studie des Vizeadmirals Wegener, der bereits 1926 im Falle einer erneuten kriegerischen Auseinandersetzung mit Großbritannien die Okkupation Norwegens und Nordfrankreichs gefordert hatte. Raeder bedrängte schon im Oktober 1939 Hitler, obwohl dieser wünschte, dass die skandinavischen Länder neutral blieben. Aber Raeder ließ nicht locker, er wollte große Taten für seine Marine. Durch die Errichtung von Flottenstützpunkten auf norwegischem Boden, sollte der U-Boot-Krieg intensiviert und eine günstige Angriffsbasis gegen die Ostküste Großbritannien geschaffen werden. Zögernd stimmte Hitler zu. Gemeinsam mit dem OKW-Stabsoffizieren arbeitete die Seekriegsleitung in kurzer Frist den Operationsplan aus. Im April 1940 begann der gewagte Sprung in die norwegischen Häfen. Dänemark wurde "aus rein strategischen Gründen" gleich mitbesetzt. Allerdings verliefen diese Besetzungen für die deutsche Kriegsmarine teilweise ziemlich ungünstig. Im Kampf um den Erzhafen Narvik erlitten die Zerstörerflottillen katastrophale Verluste und im Oslofjord sank der funkelnagelneue schwere Kreuzer "Blücher", (Insider berichteten, dass das Schiff noch gar nicht gefechtsbereit gewesen war...). Ins Fjord vor Narvik liefen 10 deutsche Zerstörer ein, worauf die Briten mit einem Verband aus mehreren Zerstörern und dem Schlachtschiff "Warspite" in das Fjord einliefen und alles kurz und klein schossen.
Am 22. Juni 1940 kapitulierte Frankreich im Wald von Compiègne. Marschall Pétain, der "Verteidiger von Verdun", übernahm die französische Regierungsgewalt und begann mit Deutschland zusammenzuarbeiten. Die französische Kriegsmarine, die der deutschen überlegen war, trat in diesem Krieg kaum in Aktion und blieb selbst in der Stunde höchster Gefahr untätig. Das Gros der französischen Flotte versenkte sich im Hafen von Toulon selbst. Aber auch die deutsche Marine hatte am Frankreichfeldzug - außer einiger Unternehmungen der Schnellboote und anderer leichter Verbände - kaum Anteil gehabt. Nur die U-Boote waren gewissermaßen als Flankensicherung in See geschickt worden, wozu sie allerdings bei einem massiven Angriff der gemeinsamen französischen und britischen Flotte überhaupt nicht in der Lage gewesen wären. Nachdem die deutschen Truppen am 20. Mai zum Kanal durchgebrochen waren, konzentrierte die britische Flotte ihre ganze Kraft darauf, die abgeschnittene und bei Dünkirchen eingekreiste Expeditionsarmee vom Festland zu evakuieren. Es gelang ihr, 340.000 Mann, darunter 90.000 Franzosen, unter Zurücklassung der gesamten Ausrüstung und aller Waffen nach England zu schaffen. Die deutschen U-Boote versuchten den die Strasse von Dover überquerenden Strom von Wasserfahrzeugen zu stören, was jedoch angesichts der aufgebotenen britischen Flotte erfolglos blieb.
Noch im gleichen Jahr, im Hochgefühl der Blitzsiege über Frankreich, Belgien und Niederlande, drängte Erich Raeder Hitler zu einer Angriffspolitik im Mittelmeer. Er forderte den Krieg gegen den "Hauptgegner England", plädierte im März 1941 für die Besetzung ganz Griechenlands. Nur in einem Punkt vertrat er eine andere Meinung als Hitler: die Aggression gegen die Sowjetunion hielt er erst dann für zweckmäßig, wenn Großbritannien besiegt war. Als die Weisung für den "Plan Barbarossa" erfolgte, ließ Raeder sechs Tage vor dem Überfall auf die Sowjetunion den Angriff auf sowjetische U-Boote in der Ostsee eröffnen.
Der Fall "Athenia": Admiral Karl Dönitz, Befehlshaber der U-Boot-Flotte, hatte schon vor Kriegsanbruch  mehrere U-Boote (am 22.08.1939 in Wilhelmshaven ausgelaufen) an den Zufahrtswegen für die Hafen Glasgow, Liverpool und Cardiff stationiert. Am 3. September 1939, als Großbritannien in den Krieg eintrat, griff U-Boot U-30 unter dem Kommando des Oberleutnant Lemp südlich der Rockhall-Bank einen unbewaffneten englischen Passagierdampfer an, der sich auf dem Weg nach Amerika befand. Die 13.600 Bruttoregistertonnen große "Athenia" sank nach zwei Torpedotreffern; hundertzwölf Menschen ertranken. Die Geschichte wiederholte sich: Genau wie im ersten Weltkrieg ein deutsches U-Boot den Passagierdampfer "Lusitania" versenkte, wurde hier erneut ein Terrorakt deutscher U-Boote inszeniert. Die britische Regierung erhob scharfen Protest. Auf die Anfrage des Auswärtigen Amtes erwiderte Dönitz, ein deutsches U-Boot käme für die Versenkung nicht in betracht, da in diesem Seegebiet gar keine deutschen Boote stünden. Das war eine glatte Lüge. Dönitz selbst hatte seinem Kommandanten die Standorte angewiesen und ihnen den Befehl zur Eröffnung der Feindseligkeiten gegeben. U-30 kehrte nach einigen Wochen nach Wilhelmshaven zurück. Die entsprechende Eintragung im Logbuch wurde einfach gefälscht.
Als am 14.09.1939 U-39 westlich der Hebriden den völlig ungesicherten britischen Flugzeugträger "Ark Royal" angriff, verlor die Marine ihr erstes U-Boot. U-39 versenkte sich quasi selbst, denn schon der erste auf die "Ark Royal" abgefeuerte Torpedo war ein sogenannter Frühdetonierer, der unmittelbar vor dem U-Boot explodierte und den Stahlmantel des Bugs zerriss, so dass U-39 mit dem größten Teil seiner Besatzung in die Tiefe des Atlantischen Ozeans versank.
Das Versagen des Torpedos (Typ- u. Funktionsinfo hier) war der Auftakt einer Reihe von Schwierigkeiten, mit denen die U-Boot-Besatzungen während des gesamten Krieges zu kämpfen hatten. Viele Torpedos versagten. Immerwieder kam es vor, dass die Torpedos, obwohl sie als Treffer beobachtet wurden, nicht detonierten. So schoss ein Boot im November 1939 westlich der Orkneys einen Dreierfächer auf das Schlachtschiff "Nelson". Die Torpedos wurden als Treffer ermittelt, aber sie explodierten nicht. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich kein Geringerer als Churchill an Bord der "Nelson" auf.
Während der Besetzungsoperation Norwegens schossen deutsche U-Boote im Fjord vor Narvik nicht weniger als fünf Torpedos auf das britische Schlachtschiff "Warspite" ab, die allesamt nicht explodierten. Die Quote lag bei 50% Versagern.
Kleinere U-Boote wurden auch als Minenleger (Infos Minenleger hier) eingesetzt. Die 250-Tonnen-Boote vom Typ II, die sogenannten Einbäume, waren für den Tonnage-Krieg nicht sonderlich geeignet, da sie nicht lange in See bleiben konnten. Also kam man auf die Idee, diese Boote unbemerkt in den gegnerischen Fahrwassern Minen verlegen zu lassen, was auch in der Praxis recht gut gelang. Anfängliche Zweifel wurden durch zunehmende Erfolgsmeldungen ausgeräumt.
Zum Anfang des zweiten Weltkrieges wurde allerdings - genau wie im ersten Weltkrieg - die taktische Schlagkraft der U-Boote sowohl von deutscher, als auch von britischer Seite weit unterschätzt. Als drei Tage nach dem Verlust von U-39 Kapitänleutnant Schuhar 200 Seemeilen westlich der irischen Küste sogar den Flugzeugträger "Courageous" versenkte, schien das ein Beweis zu sein, dass der Einsatz der U-Boote erfolgreicher werden würde, als man bisher annahm.
Um die nötige Geltung für seine U-Boote zu erreichen, wollte der Oberbefehlshaber der U-Boote Dönitz, eine Operation, die Schlagzeilen machte und die taktische Stärke der U-Boote auf effektvolle Weise deutlicher denn je zeigte. In Kapitänleutnant Prien (Prien-Info hier) fand Dönitz einen Mann, der kaltblütig genug war, ein solches gewagtes Unternehmen durchzuführen. Und so bekam Prien den Auftrag, in die Bucht von Scapa Flow, wo sich einst die kaiserliche Flotte selbst versank und wo die Heimatbasis der britischen "Home Fleet" war, einzudringen und britische Schiffe zu versenken. Am 13. Oktober 1939 gelang es Prien mit U-47 tatsächlich in die Bucht einzudringen. Allerdings waren fast alle britischen Schiffe Stunden vorher ausgelaufen. Prien versenkte lediglich das Schlachtschiff "Royal Oak". Der Untergang kostete 824 Matrosen das Leben. Für die britische Flotte bedeutete dieser Schlag blutiges Lehrgeld für die Unterschätzung der U-Boot-Gefahr.
Prien kehrte nach Wilhelmshaven zurück und wurde das neue Idol der U-Boot-Fahrer. Die Idee des geglückten Unternehmens war von Dönitz schon lange vorher, noch in Friedenszeiten, geboren worden. Das beweisen die Eintragung ins Kriegstagebuch der U-Boot-Führung (hier lesen), das später, nach dem Krieg, in Nürnberg dem Internationalen Militärgerichtshof als Beweisstück vorgelegen worden war.
Am 13. August 1940 eröffnete die deutsche Luftwaffe den verschärften Luftkrieg gegen England. Die Royal Airforce verlor bis Oktober 1940 900 Kampfflugzeuge und die deutsche Luftwaffe verlor 1.700 Flugzeuge.
Zur gleichen Zeit setzte auch der verschärfte U-Boot-Krieg ein. Der Masseneinsatz von U-Booten ("Rudeltaktik") brachte der deutschen Kriegsmarine bis Anfang 1943 noch große Erfolge. Allerdings verlor die U-Boot-Waffe auch viele Boote und damit die bewährten Mannschaften und erfahrensten Kommandanten (allein im März 1941 kamen einige ihrer legendärsten Kommandanten um: Prien, Schepke u. Kretschmer - letztere beide am selben Tag). Aber auch die "zweite Generation" - die einstigen Wachoffiziere, die inzwischen zu Kommandanten aufgerückt waren, blieben nach und nach auf der Strecke. So fiel beispielsweise am 21. Dezember 1941 mit der gesamten Besatzung von U-567 Kapitänleutnant Endraß nordöstlich der Azoren. 1939 war er als I WO unter Prien in Scapa Flow gewesen. Ein halbes Jahr später fand der ehemalige II WO des Prien-Bootes, Oberleutnant zur See von Varendorf, als Kommandant von U-213 im Nordatlantik mit der gesamten Besatzung den Tod. Anfang 1942 befand sich bereits die "dritte Generation" von U-Boot-Kommandanten und Mannschaften auf Frontbooten, - Offiziere und Matrosen, die sich erst während des Krieges zur U-Boot-Waffe gemeldet hatten oder zu ihr abkommandiert worden waren. Entsprechend unerfahren waren komplette Mannschaften, die Marine hatte Nachwuchsprobleme, darüber hinaus auch Ausbildungsprobleme, denn unter dem Zeitdruck bei der Ausbildung litt natürlich die Qualifikation. Ein Beispiel dieser Auswirkungen ist das Schicksal von U-570 (Info hier). Die Verluste der U-Boot-Waffe betrugen bis August 1942 bereits 3.803 Mann, davon waren 1.959 gefallen, 696 vermisst und 1.148 in Gefangenschaft geraten. Das waren 38 Prozent der Kampfstärke.
Dennoch machten die "Grauen Wölfe" selbst in entferntesten Gebieten - z.B. unmittelbar vor der amerikanischen Küste - teilweise mit großen Erfolgen die See unsicher. So operierte U-166 im Sommer 1942 im Mississippi-Delta, wo es am 30. Juli 1942 nach der Versenkung des Passagierdampfers "Robert E. Lee" durch Wasserbomben schwer beschädigt wurde und fast 1.500 Meter tief auf den Grund des "Mississippi Canyon" sank (Infos zur Legende um U-166 hier klicken).
Vom Januar 1942 bis zum April 1943 wurden über 7 Millionen BRT bei einem Verlust von 145 U-Booten versenkt. Seit dem Sommer 1942 überstiegen die alliierten Neubauten die Verluste:

März / Juni   1942  =  

2,8 Mill. BRT Verluste - 1,5 Mill. BRT Neubauten

Juli / Sept.    1942  =

2,0 Mill. BRT Verluste - 2,3 Mill. BRT Neubauten

Januar / Juni 1943  =

2,2 Mill. BRT Verluste - 6,4 Mill. BRT Neubauten

Die Überwasserkampfeinheiten im Atlantik brachen ab dem Untergang des modernsten Schlachtschiffes "Bismarck" im Mai 1941 zunehmend zusammen. Eines der gewaltigsten deutschen Schlachtschiffe, die "Gneisenau", war auf eine Mine gelaufen und schwer beschädigt worden. Danach, als das Schiff auf der Kieler Werft zur Reparatur lag, wurde es mehrmals von britischen Bombern getroffen und sein Deck von Bränden verwüstet. Fahruntüchtig musste es an einen weniger gefährdeten Ort abgeschleppt werden, nach Gotenhafen (ehemals polnischer Hafen). Ebenfalls in Gotenhafen lag der einzige deutsche Flugzeugträger, die "Graf Zeppelin". Halbfertig, ohne Flugdeck und Geschütze wurde der Bau nach dem Untergang der "Bismarck" eingestellt. Einst sollte der Flugzeugträger Schlachtschiffe und Panzerschiffe bei ihren Vorstößen im Atlantik unterstützen, feindliche Geleitzüge aufklären und einen Luftschirm über dem Verband bilden.

Schlachtschiff "Gneisenau"

Flugzeugträger "Graf Zeppelin"
beim Stapellauf

Flugzeugträger spielten eine ganz entscheidende Rolle. Engländer und Amerikaner besaßen solche schwimmenden Flugplätze. Deutschland hatte keinen einzigen aufzuweisen. Im Tonnagekrieg verließ sich die Seekriegsleitung allein auf die U-Boote. Obwohl im ersten Weltkrieg Großbritannien trotz 12,7 Millionen BRT versenkten Handelsschiffraumes nicht zu Zugeständnissen zu bewegen war, glaubte die deutsche Führung, England durch Blockade in die Knie zwingen zu können. Eine britische Studie hatte ergeben, dass täglich allein 50.000 Tonnen Nahrungsmittel eingeführt wurden, wofür man etwa 150 Handelsschiffe (täglich!) benötigte. Eine Untersuchung des OKM (Oberkommando der Marine) kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Etwa 2.500 Handelsschiffe waren ständig für England unterwegs. Das Britische Empire besaß 1939 einen Handelsschiffraum von 18 Millionen BRT. Mit verhältnismäßig beschränkten Mitteln glaubte die deutsche Führung die überseeischen Verbindungen Großbritanniens unterbrechen zu können. In einem erhaltenen Protokoll einer Besprechung Hitlers mit führenden Militärs am 23. Mai 1939, an der auch Erich Raeder teilnahm, heißt es: "Wenn wir im Krieg (erster Weltkrieg = anm. des Verfasseres) 2 Panzerschiffe und 2 Kreuzer mehr gehabt hätten und die Skagerrak-Schlacht am Morgen begonnen hätte, dann wäre die britische Flotte geschlagen worden und England wäre in die Knie gezwungen worden. Es hätte das Ende des Weltkrieges bedeutet. Früher genügte es nicht, die Flotte zu schlagen, man musste landen, um England zu besiegen. England konnte sich selbst ernähren. Das ist heute nicht mehr möglich. Im Augenblick, wo England von seiner Zufuhr abgeschnitten ist, ist es zur Kapitulation gezwungen. Der Angriff der Luftwaffe gegen England im Mutterland zwingt England nicht an einem Tag zur Kapitulation. Wird jedoch die Flotte vernichtet, so ist unmittelbar die Kapitulation die Folge...". Dennoch blieben große Einsätze sowohl der deutschen Marine, als auch der britischen Marine aus. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg richtete sich hauptsächlich gegen Handelsschiffe und deren Besatzungen.

Bildquelle: Heinz Bergschicker "Deutsche Chronik 1933-1945" 1981 Verlag der Nation Berlin

Quellen:
"Geschichte der Deutschen Kriegsmarine - Von den Anfängen bis 1945" © 1989 by Torsten Migge und Reiner Ebert, Lammler-Verlag München.
"The U-Boat War in the Atlantic" Ed.: Ministery of Defence (Navy),
Clay Blair "Der U-Boot-Krieg", München 1999,
Modern Military Branch, National Archives and Records Administration,
S.E.Morison "The Battle of Atlantic" Boston 1955,
Ronald Macintyre "The Battle of the Atlantic" London 1961,
Paul Herbert Freyer "Der Tod auf allen Meeren".

 

 

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