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Der Mittelmeerraum, seit dem Altertum ein Schauplatz erbitterter Machtkämpfe, war auch in diesem Krieg nicht ohne Bedeutung. Für Großbritannien war das Mittelmeer die kürzeste Verbindung zum Suezkanal und somit zu den erdölträchtigen Ländern des Vorderen Orient und den britischen Besitzungen in Südostasien, die von Japan bedroht wurden. Dieser Seeweg geriet in Gefahr, als Italien in den Krieg eintrat. Mussolini hatte sich erst am 10. Juni 1940 dazu entschlossen; er fürchtete, bei der Verteilung der Beute zu spät zu kommen. Immerhin war Frankreich die größte Kolonialmacht in Afrika.
In dem Ziel, die Vorherrschaft Englands im Mittelmeer zu brechen, war sich Hitler und Mussolini einig. Nicht einigen konnten sie sich über die Aufteilung der Interessensphären in Nordafrika und auf dem Balkan. Als Mussolini nach der Kapitulation Frankreichs beträchtliche Gebietsforderungen erhob, traf er bei Hitler auf taube Ohren.
Die Hitlerregierung, die schon den Feldzug gegen die Sowjetunion vorbereitete, wollte in den neuen Kriegsschauplatz Mittelmeer nur begrenzt Kräfte investieren. Sie hoffte auf eine militärische Unterstützung durch Franco und der Vichy-Regierung. Aber das rückständige, vom Bürgerkrieg zerrüttete Spanien, war wirtschaftlich zu sehr von Großbritannien abhängig, um sich ein solches Abenteuer leisten zu können. Franco blieb neutral und der englische Militärstützpunkt Gibraltar unangetastet, - eine "Undankbarkeit", die Hitler dem spanischen Staatschef niemals verzieh.
Auch der sonst so nachgiebige Marschall Pétain lehnte ab. Ein offenes militärisches Zusammengehen mit Deutschland und Italien hätte beim französischen Volk heftigen Widerstand ausgelöst, Großbritannien auf den Plan gerufen und den Kolonialbesitz in Afrika ernsthaft gefährdet. Der neue englische Premierminister Winston Churchill wusste rücksichtslos zuzuschlagen, wenn es um die Interessen des britischen Weltreichs ging. Überraschend war am 3. Juli 1940 die "Home Fleet" vor dem algerischen Kriegshafen Oran aufgetaucht, hatte die dort liegende französische Flotte zusammengeschossen und damit einer Übergabe der Schiffe an Deutschland vorgebeugt. Das war deutlich genug.
Der Achse Berlin-Rom gelang es nicht, die Engländer bis zum Beginn des Ostfeldzuges aus dem Mittelmeer zu verdrängen. Großbritannien setzte sich energisch zur Wehr. Es fügte der zahlenmäßig überlegenen, aber schlecht geführten italienischen Flotte schwere Verluste zu und behinderte von Malta aus die Schifftransporte zwischen Italien und Nordafrika. Dennoch war der Kampf für England nicht leicht. Die Front wogte hin und her. Auch England musste empfindliche Schläge hinnehmen.
Inzwischen hatte Mussolini, der sich von Hitler nicht mehr gängeln lassen wollte, im Oktober 1940 den Balkanfeldzug auf eigene Faust begonnen. Sein Einmarsch in Griechenland endete nach zwei Monaten mit einem Fiasko. Als dann Frühjahr 1941 die besetzten Gebiete in Britisch-Somaliland und im Sudan von britischen Truppen zurückerobert wurden und Abessinien verloren ging, brach der Plan eines italienischen Kolonialreichs in Ostafrika zusammen.
Was Mussolini in Griechenland und Albanien verbockte, musste Hitler nun schleunigst in Ordnung bringen. Der Balkan war die südliche Flanke für den Angriff gegen Russland. Unter Druck hatten sich bereits die profaschistischen Regierungen Ungarns, Rumäniens, Bulgariens und der Slowakei dem Kriegsblock angeschlossen. Anfang April fiel die Wehrmacht in Jugoslawien und Griechenland ein. Nach dem bewährten Eroberungsprinzip "divide et imperia" wurde der Balkan neu aufgeteilt. Endlich erhielt Italien etwas von der Beute.
Für Großbritannien begann eine schwere Zeit. Bedrohlich wurde die Lage Anfang 1942, als es der Achse gelang, im zentralen Mittelmeer die Luft- und Seeherrschaft zu erringen. Die britische Flotte erlitt hohe Verluste. Malta lag unter einem Hagel von Bomben. Vor Gibraltar wurde unter anderem der moderne Flugzeugträger "Ark Royal" (1939 schon einmal von U-39 angegriffen, dass sich dann durch Torpedo-Fehlfunktion selbst versenkte) und vor der libyschen Küste das Schlachtschiff "Barham" durch deutsche U-Boote versenkt. Doch einige Monate später änderte sich das Bild. Hitler wollte unbedingt im Osten die Entscheidung herbeiführen. Darauf konzentrierte er alle Kräfte, auch die seiner Verbündeten. Afrika war für ihn ein Nebenkriegsschauplatz. Teile der im Mittelmeer stationierten zweiten Luftflotte wurde abgezogen. General Rommel wartete verzweifelt auf die Verstärkung seiner deutsch-italienischen Panzerarmee.
Mussolini fühlte sich mehr und mehr in die Rolle eines Untergebenen gedrängt. Er beschwor Hitler, zuerst auf Malta zu landen und Tunis zu besetzen. Aber Hitler entschied sich für die Eroberung Ägyptens. Um wenigstens eine Reserve für eigene Pläne zu haben, schonte Mussolini seine Flotte. Nur selten kam es zu gemeinsamen Operationen deutscher und italienischer Marineeinheiten. Die italienischen Kriegsschiffe, die im Hafen von La Spezia lagen, hatten noch keinen scharfen Schuss abgegeben. Risse gingen durch den faschistischen Block. In den Balkanländern brodelte der bewaffnete Widerstand. Die offizielle Propaganda vertuschte die Gegensätze. Lauthals prophezeite sie den unausbleiblichen Sieg über alle Feinde.
Die Briten zogen aus dem Gerangel der beiden Diktatoren ihren Nutzen. Bald hatten sie die Luftherrschaft im Mittelmeerraum wiedererlangt und ihre Flotte verstärkt. Was die deutsche Marine an U-Booten und kleineren Überwasserfahrzeugen abzweigte, konnte nicht ernsthaft gefährlich werden. Hitler hatte sich also auch hier verrechnet. Der Sperr-Riegel Malta war wieder voll in Aktion, kein Geleitzug kam ungeschoren daran vorbei. Hunderte Kilometer westlich Kairos, vor dem Dorf El-Alamein, erlitten die mangelhaft versorgten deutsch-italienischen Truppen eine schwere Niederlage. Damit war der Traum von der Eroberung Ägyptens ausgeträumt.

 

Quellen:
"Geschichte der Deutschen Kriegsmarine - Von den Anfängen bis 1945" © 1989 by Torsten Migge und Reiner Ebert, Lammler-Verlag München.
"The U-Boat War in the Atlantic" Ed.: Ministery of Defence (Navy),
Clay Blair "Der U-Boot-Krieg", München 1999,
Modern Military Branch, National Archives and Records Administration,
S.E.Morison "The Battle of Atlantic" Boston 1955,
Ronald Macintyre "The Battle of the Atlantic" London 1961,
Paul Herbert Freyer "Der Tod auf allen Meeren".

 

 

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