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Die meisten U-Boot-Stützpunkte an der Atlantikküste in Frankreich waren 1943 stark zerstört. Von Mitte Januar bis Mitte Februar 1943 hatte Churchill beispielsweise allein auf Loriente fast zweitausend Bomber eingesetzt, um den dortigen U-Boot-Hafen mit seinen Bunkern zu vernichten. Dabei sank die Innenstadt in Trümmer, viele Einwohner kamen ums Leben. Aber die "grauen Wölfe", wie die U-Boote bezeichnender Weise genannt wurden, blieben in ihren Schlupfwinkeln aus Beton und Stahl unversehrt.
Wegen der heftigen Fliegerangriffe bei Tag waren die deutschen U-Boote, die am Atlantik stationiert waren, eine Zeitlang Nachts ausgelaufen. Da konstruierten die Engländer einen Superscheinwerfer, den die Flugzeuge einschalteten, sobald sie ein U-Boot mit ihrem Radar geortet hatten. Diese Scheinwerfer strahlten ein so grelles Licht aus, dass die U-Boot-Kanoniere geblendet waren und nicht zum Schuss kamen. Die Engländer nannten ihre Erfindung "Leigh Light", die deutschen U-Boot-Fahrer sagten "Leichenlicht". Viele Boote waren ihm zum Opfer gefallen. Dönitz ordnete an, dass die U-Boote in der Nacht getaucht fahren sollten und am Tage ihre Batterien in Überwasserfahrt aufladen und angreifende Flugzeuge durch Bordkanonen abwehren sollten, falls ein Wegtauchen nicht mehr möglich war. Des weiteren erließ Dönitz den Befehl, keine Überlebenden der von ihnen versenkten Schiffe zu retten. Nicht nur die Handelsschiffe, auch deren Besatzungen sollten vernichtet werden.
Die Operationsabteilung unter Dönitz zur Führung des U-Bootkrieges befand sich seit März 1943 in Berlin-Charlottenburg. Jeder Flottillenchef erhielt lückenlose Berichte, damit sie die strategischen Grundsätze erkennen und nachvollziehen konnten.
Zwei Aufklärungsgruppen von U-Booten standen im Atlantik und kämmten einen bestimmten Streifen ab. Auf parallelen Kursen fuhren sie durch ihre Planquadrate und suchten Geleitzüge. Wettermeldungen kamen zusammen, und mit einiger Phantasie konnte man sogar eine Wetterkarte des Nordatlantik zeichnen. V-Männer in der neuen Welt berichteten über Zusammenstellungen von Geleiten, auslaufende Schiffe, Sicherungsfahrzeuge und Wetter. Ihre Tätigkeit erstreckte sich von der Hudson Bay bis nach Argentinien. Die Funkdienste horchten mit riesigen Antennen in den Äther, fing verstümmelte Funkmeldungen auf, peilte den Standort ihrer Absender und hörte mitunter sogar den Sprechfunk eines Konvois.
Im März 1943 war im Atlantik eine große Geleitzugschlacht, als 44 U-Boote gegen einen Doppelkonvoi mit 80 Schiffen eingesetzt war. Die deutsche Marine versenkte in dieser Schlacht 21 Schiffe und verlor selbst nur ein einziges Boot. Allerdings musste Dönitz die Schlacht abbrechen, weil seine Boote abgekämpft und größtenteils schwer beschädigt waren.
In den letzten Apriltagen sammelte der BdU alle Kräfte, um einen größeren Konvoi anzugreifen, der südlich von Island stand und unter der Bezeichnung ONS-5 nach Neufundland unterwegs war. U-Boote hatten ihn entdeckt, kurz nachdem er aus dem Gebiet der Luftsicherung von Island entlassen war. Mehrere Tage standen für diesen Angriff zur Verfügung. Wenn es nicht gelang, den Geleitzug fern jeder Luftunterstützung zu versenken, hatten weitere Einsätze im Atlantik überhaupt keinen Zweck mehr.
41 Boote befanden sich im Anmarsch auf das Geleit (Tarnbezeichnung "Gruppe Fink"). Ein Fühlungshalter hatte mit einem glücklichen Schuss, der als Fächer aus großer Entfernung abgefeuert wurde, einen Frachter torpediert. U-630 wurde beim Angriff auf ein Frachter von einem kanadischen Flugboot versenkt. Dann war der Konvoi in eine Nebelbank eingetaucht, und die Fühlung riss ab. U-192, U-638, U-125, U-531 und U-438 wurden von Sicherungsfahrzeugen, die die U-Boote im dichtem Nebel mit ihren Radargeräten aufgespürt hatten, versenkt. Der Konvoi war südlich abgedreht. Der BdU ließ dort eine Vorpostenlinie bilden und gegen Mittag meldete ein Boot Rauchfahnen in seinem Planquadrat. Von allen Seiten rückten die grauen Wölfe an. Noch einmal führte das Geleit eine Schwenkung durch um den Verfolgern zu entgehen. Manche Dampfer des Konvois blieben zurück.
Die britische Marine hatte Vorschriften über die Mindestgeschwindigkeit für das Mitlaufen in einem Geleit erlassen. Bei den Testfahrten legten die Reeder nicht selten einen großen Schwindel auf. Sicherheitsventile wurden dichtgesetzt, Kessel ungenügend mit Wasser gefüllt, Lichtmaschinen außer Betrieb gesetzt, um die Anforderungen auf der Statusmeile gerade noch zu erfüllen. So mogelten sich dann kleine Havarien ein. Der Dampfdruck musste auf den zulässigen Wert heruntergesetzt werden, Kesselrohre waren verstopft, mitunter wurde ein Kessel mehrere Stunden völlig stillgelegt, gereinigt oder repariert...  Es war nicht die Nachlässigkeit der Besatzung, sondern Profitgier bei den Reedern und Schiffsmaklern. Für sie war der Krieg ein glänzendes Geschäft. Die hohen Versicherungsprämien wurden auf Frachtkosten aufgeschlagen. Ging ein Schiff verloren, zahlte die Versicherung. Das Risiko der Reeder war gering, das der Mannschaft ungleich höher.
Nun, der Geleitzug war inzwischen in eine Schlechtwetterzone geraten, ein Wirbelsturm fegte über den Atlantik. Jeder Angriff war sinnlos, sodass Dönitz die Operation am Morgen des 6. Mai abbrechen musste. Trotz der Versenkung von 12 Handelsschiffen bedeutete der Angriff auf den Konvoi für die deutschen U-Boote eine Niederlage, denn 7 U-Boote gingen verloren und der Gegner hatte eine effektive Verteidigung bewiesen.
Die verstärkte alliierte Abwehr durch Radar, Luftüberwachung von Flugzeugträgern, U-Kampfgruppen und Geleitträger führte im März 1943 zum Verlust von 30 U-Booten und vom Juli bis August von weiteren 70 U-Booten. Der deutsche U-Boot-Krieg war nahezu zusammengebrochen. Immer bessere Abwehrwaffen entwickelte der Gegner (Info Abwehrwaffen hier klicken)
Die Lage an der Atlantikküste war alles andere als rosig. Dringend benötigter Nachschub kam nur mit großer Verspätung an, auf manchen Lieferungen warteten die Flottillen vergebens. Mehrmals täglich drangen britische Kriegsschiffe in das Vorfeld der französischen Küste ein. Die Minensucher erlitten hohe Verluste durch neue Minentypen des Gegners. Jagdbomber griffen die Boote an, nachts gab es Gefechte mit Schnellbooten und artilleristisch weit überlegenen Zerstörern.

 

Quellen:
"Geschichte der Deutschen Kriegsmarine - Von den Anfängen bis 1945" © 1989 by Torsten Migge und Reiner Ebert, Lammler-Verlag München.
"The U-Boat War in the Atlantic" Ed.: Ministery of Defence (Navy),
Clay Blair "Der U-Boot-Krieg", München 1999,
Modern Military Branch, National Archives and Records Administration,
S.E.Morison "The Battle of Atlantic" Boston 1955,
Ronald Macintyre "The Battle of the Atlantic" London 1961,
Paul Herbert Freyer "Der Tod auf allen Meeren".

 

 

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