Die geheimen Dokumente eines Toten

Am 8. Juni 1944 trieb ein zerschossenes alliiertes Landungsboot mit toten amerikanischen Seeoffizieren bei Géfosse - Fontenay in die Mündung der Vire. Einer der Toten war der für den gesamten Operationsplan des VII Corps im westlichen Landekopf "Utah" zuständige Beachmaster. Er lag über einem Koffer mit allen Geheimunterlagen für die Zeitpunkte der Teillandungen und die konkreten Ziele des D-Day im Raum der Halbinsel Cotentin. Diese Top Secret Papiere enthielten auch sämtliche strategischen und taktischen Maßnahmen zur Verschmelzung mit dem östlich davon im zweiten Landekopf "Omaha" operierenden V Corps bei der Stadt Carentan. Anschließend sollte die Vereinigung mit dem aus den Landeräumen "Gold" und "Juno" nach Südwesten vorstoßenden XXX britischen Corps bei Bayeux erfolgen.
Den deutschen Feindlagespezialisten war zumute wie Alice im Wunderland, sie wussten mit einem Schlag, was ihnen ein Heer bester Agenten nicht zu liefern vermochte: VII US-Corps dreht nach Westen auf Coutance ein, bildet nach Süden Abwehrfront, greift nach Norden an. Strategische Ziele: der Hafen von Cherbourg.
Seite für Seite offenbarte sich ihnen alles Wissenswerte über den Angriff, dazu vielfältiges anderes Material. z.B. "The German Forces", ein Handbuch über die deutschen Streitkräfte im Invasionsraum, wo sich jeder der Lesenden mit seinem Verband präzise eingeordnet sah.
Die Divisionskommandeure erhielten auszugsweise Abschriften über sie unmittelbar betreffende Einzelaktionen. Ein Stabsoffizier raste zu Rommel, er berichtete, legte vor. Raste am gleichen Tag weiter nach St. Germain zu Rundstedt.
Man nahm zur Kenntnis und besaß damit die wesentlichen Planteile über den Ablauf der Invasion. Leitete wiederum weiter bis ganz nach oben. Man konnte dort ebenfalls nur zur Kenntnis nehmen und: zusehen. Es gab keine strategische und keine taktische Luftwaffe zur Verhinderung der Operationen.
Zwei Tage später legte die Rote Armee ein dreistündiges Trommelfeuer von bisher ungekanntem Ausmaß auf die finnischen Stellungen beiderseits der Eisenbahnstrecke Leningrad - Wiborg, drückte in wenigen Stunden die Hauptkampflinie auf vierzig Kilometer breite ein und zertrümmerte die Sperre auf der karelischen Landenge.
Damit wurde die Hand auf den Riegel zwischen Ladoga- und Onegasee gelegt, und die Bewegungsfähigkeit des deutschen Generalstabes war entscheidend eingeschränkt.
Diese Großoffensive der Roten Armee wurde gemäß der Vereinbarung mit den Alliierten geführt, um ihre Operation in der Normandie mit einem machtvollem Schlag an der sowjetisch-deutschen Front zu unterstützen. Dadurch waren die deutschen Truppen im Osten gebunden und es konnte von dort keine Verstärkung in die Normandie abgezogen werden.

 

Der Sturm, der beinahe alles zerstörte

Die Amerikaner hatten bereits am zweiten Tag der Invasion, dem 7. Juni 1944, begonnen, Teile eines künstlichen "Maulbeer-Hafens" über den Kanal zu schleppen und vor St. Laurent zu montieren, während die Engländer Senkkästen und pressluftgefüllte stählerne Wellenbrecher für ihren Hafen bei Arromanches verankerten und die Piere ineinanderfügten.
Am Morgen des 19. Juni brach ein orkanartiger Sturm los. Riesige Wogen warfen die Fährschiffe gegen die zerbrechenden Anlagen; 300 Schiffe gingen unter; 800, vor allem Panzerlandungsfahrzeuge, wurden hoch auf den Strand geworfen und fielen bis zur Springflut im Juli aus. Der amerikanische Hafen war völlig zerstört, der englische blieb seltsamerweise durch die vielen gesunkenen Schiffe in wesentlichen erhalten.
In drei Tagen waren die Schiffsverluste der Westalliierten an den beiden Häfen und im gesamten Kanalgebiet durch den Sturm fünfmal größer als die Totalausfälle durch Kampfhandlungen.
Das Ausladen wurde fast eine Woche lang unterbrochen. Der Munitionsbestand sank auf den kritischen Punkt. Alle Angriffsoperationen mußten eingestellt werden. Die Existenz der Verbände in ihren Landeköpfen war ernsthaft gefährdet.
Die deutsche Generalität ahnte von allem nichts...


 

 

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