Eintragung im Kriegstagebuch der U-Boot-Führung
Bezüglich Scapa Flow

 

"l. Von Kriegsbeginn an ist die Möglichkeit, mit  einem U-Boot in die Bucht von Scapa Flow einzudringen, untersucht worden. Die Bedeutung eines Erfolges lag auf der Hand.
2. Als erste Unterlage ging von der Seekriegsführung auf Anforderung die Ausarbeitung Scapa Flow mit eingezeichneten vermuteten Sperren ein. Für die Richtigkeit dieser Vermutungen musste aber erst eine Bestätigung geschaffen werden, da so noch nicht zu erkennen war, wo ein Eindringen möglich sein werde.
3. Am 8. September erhielt ich davon Kenntnis, dass ein Wetterflugzeug der Luftflotte II am 6. 9. eine Aufnahme von Scapa, Flow gemacht habe. Diese wurde uns am 11.9. übersandt und zeigte schwere und leichte Streitkräfte nördlich Flotta und im Sund zwischen Switha und Risa.
4. U-14 wird vom 13. bis 29.9. bei den Orkneys eingesetzt und bringt von dieser Unternehmung wertvolles E-Material über Bewachung, Befeuerung, Stromverhältnisse usw. mit. Der Kommandant hält ein Eindringen in Scapa Flow durch den Hoxa Sund bei offener Sperre für möglich.
5. Auf Anforderung werden am 26.9., 15.00 Uhr, von der Luftflotte II ganz vorzügliche Luftaufnahmen gemacht, die ein genaues Bild von dem Clestrum Sund über Risa bis Switha, dem Hoxa Sund (teilweise) und dem Holm Sund, der Bucht vor Scapa und Kirkwal geben. Bei der Auswertung kam ich zu folgendem Entschluss:
a) Ich halte das Eindringen durch die Sperre im Hoxa Sund für kaum möglich, durch den Switha Sund und den Clestrum Sund wegen der dortigen Sperren für aussichtslos.
b)  Der Holm Sund ist ausschließlich durch zwei quer im Fahrwasser des Kirk Sund liegende, anscheinend versenkte Dampfer und einen weiteren an der Nordseite liegenden gesperrt. Südlich der Sperrschiffe bis zum Lamb Holm ist auf 7 m Tiefe eine Lücke von 170 m Breite bis zum flachen Wasser. Auch nördlich der Dampfer ist eine kleine Lücke. Das Ufer ist an beiden Seiten fast unbewohnt. Hier halte ich ein Eindringen nachts über Wasser bei Stauwasser ohne weiteres für möglich. Die Hauptschwierigkeit liegt auf navigatorischem Gebiet.
6. Eine neue Aufnahme des Hoxa Sundes bekräftigt die Ansicht, dass ein Eindringen dort unzweckmäßig ist.
7.  Ich entschließe mich, die Unternehmung durchführen zu lassen und erhalte hierfür nach persönlichem Vortrag von der Seekriegsleitung das Einverständnis des Ob. d. M. Es wird festgestellt, dass die Unternehmung zweckmäßigerweise in der Nacht vom 13. zum 14. Oktober durchgeführt wird, da an diesem Datum beide Stauwasserzeiten in die Dunkelheit fallen und Neumond ist. Das vorgesehene Boot läuft hierzu am 8. Oktober aus Kiel aus. Das Boot wird nur mit G 7e Torpedos (mit elektrischem Antrieb) ausgerüstet. Die Frage, ob Minen oder Torpedoausrüstung, ist zugunsten der Torpedos entschieden worden, da hiermit bei Schiffszielen ein sicherer Erfolg zu erwarten ist.
8. Die A-Gruppe, Ob. d. Luft, Werder erhält Anweisung, kurz vor dem Unternehmen am 12. 10. durch Aufklärung und Bilderkundung die Lage in Scapa Flow zu klären, um sie dem Boot rechtzeitig übermitteln zu können.
9. Die in der Nachbarschaft der Orkneys aufgestellten Boote U-10, U-18, U-20, U-23 werden am 4. 10. zurückgezogen werden, um keine Beunruhigung im Seegebiet der Orkneys zu schaffen und die Engländer unter Umständen zu warnen. Es muss alles auf die eine Karte gesetzt werden.
10. Am 11. 10. sieht ein Flugzeug der Luftflotte 1 Scapa bei niedriger Wolkenhöhe ein, ohne Auftrag dazu zu haben. Sehr ärgerlich.
Am 12.10., 15.00 Uhr, wird eine vorzügliche Erkundung von einem Flugzeug der Aufklärungsgruppe, Ob. d. Luft, Besatzung
Leutnant Newe
Feldwebel Böhme und
Feldwebel Wolff
durchgeführt, die die genaue Lage eines Flugzeugträgers, fünf schwerer Schiffe und von zehn Kreuzern meldet und die mündlich in der Nacht durch den Leutnant Newe in Wilhelmshaven erläutert wird."

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