U-Boote als Minenleger

Neben U-Booten befanden sich seit den ersten Kriegsmonaten auf britischer wie auf deutscher Seite die Minenleger in ständigem Einsatz. In den ersten Kriegswochen wurden auf beiden Seiten die für den Ernstfall vorgesehenen Minensperrgürtel geschaffen, die vor überraschenden gegnerischen Vorstößen an die eigene Küste schützen sollten. Darüber hinaus wurden durch Flugzeuge, U-Boote und leichte Überwasserstreitkräfte Minenfelder an den gegnerischen Verbindungswegen gelegt. Besonders von Deutschland wurde dieser Minenkrieg gegen die Handelsschiffahrt geführt.
Die Luftaufklärung hatte bald herausgefunden, dass vor den wichtigen Häfen an der englischen Ostküste und an der Irischen See nur eine schmale Fahrrinne zwischen den Minenfeldern und dem Festland freigelassen worden war. Die Luftwaffe wurde eingesetzt, um mit Spezialminen diese Fahrrinne zu verminen. Doch die Sicherungsfahrzeuge und Küstenabwehrstationen stellten die Flugzeuge meist fest. Räumflottillen wurden eingesetzt und hielten die Fahrstraße frei.
Das brachte die deutsche U-Bootführung auf den Gedanken, die kleinen 250-Tonnen-Boote ohne Rücksicht auf die neutrale Schiffahrt in diesen Zwangswegen zum Minenlegen einzusetzen. Für den Handelskrieg waren diese Boote ohnehin nicht sonderlich geeignet, da sie nicht lange in See bleiben konnten. Für einen Mineneinsatz dagegen benötigten sie in der Regel nicht länger als eine Woche. Die Seekriegsleitung setzte anfangs keine allzu großen Hoffnungen auf dieses Vorhaben der U-Boot-Führung. Desto überraschter wer sie, als die Spionage und die 1. Luftaufklärung zunehmend Erfolge meldeten. Vor allem protestierten immer wieder die neutralen Staaten bei der britischen Regierung, dass Schiffe in den angeblich minenfreien Zwangskursen durch Minentreffer verloren gingen. Auch hierin lag in erster Linie eine politische Absicht. Die Zuverlässigkeit der Zusagen der britischen Regierung und das Ansehen der Royal Navy in den neutralen Ländern sollten erschüttert werden. Die unter neutraler Flagge fahrenden Schiffe sollten vom Anlaufen eines britischen Hafens abgeschreckt werden.

Jedes der eingesetzten U-Boote konnte sechs bis acht Minen an Bord nehmen. Gleich dem Torpedo wurden sie mit Druckluft aus den Rohren gestoßene. Die "Einbäume" hatten zwei Bugrohre und ein Heckrohr. Nach dem Durchbrechen, oftmals Unterlaufen des äußeren Sperrgürtels, das zwar gefährlich war, aber für U-Boote keineswegs in dem Maße wie für Überwasserfahrzeuge, drangen die U-Boote zum Teil bis in die Hafeneinfahrten vor und verminten sie. Die britische Admiralität war bestürzt. Schiffe liefen auf Minen, wo man sie für sicher hielt. Es zeigte sich, dass bis zu fünfzig Prozent der ausgelegten Minen Treffer erzielten.
Bald jedoch entwickelten britische Minenfachleute erste Abwehrmethoden. Minensuchfahrzeuge wurden mit Apparaturen ausgerüstet, deren starke Magnetfelder die Minen bereits weit vom Schiff entfernt zündeten. Daraufhin baute man auf der deutschen Seite Zählkontakte in den Magnetzünder der Mine ein. Geriet eine Mine in ein Magnetfeld, so sprang ein Kontakt um, sie zündete aber nicht. Beliebig viele solcher Kontakte konnten vorgesehen sein. Fünfzehn Mal fuhr ein Schiff beispielsweise über eine solche Mine, die Fahrstraße wurde für ungefährdet, für minenfrei gehalten, aber am sechzehnten Schiff ging die Mine hoch.

Bis Ende April 1940 verlor die alliierte und neutrale Handelsschiffahrt 139 Schiffe mit 449 698 BRT durch Minen. Dieser Minenkrieg tobte auch in den folgenden Monaten weiter. Doch im zweiten Halbjahr 1940 zeigten seine Ergebnisse eine rückläufige Tendenz. Die höchste Summe durch Minen vernichteter Handelsschiffstonnage wurde im November, die absolute Spitze der Zahl versenkter Schiffe im Dezember 1939 erreicht.
Die britischen Abwehspezialisten fanden heraus, dass die Entmagnetisierungsschleifen, die zur Minenabwehr angelegt worden waren, auch die Torpedogefahr überwinden halfen. Das war aber erst im Frühjahr 1940.

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