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Am 30. Januar 1933 war es dann soweit. Reichspräsident von Hindenburg ernannte Adolf Hitler zum Reichskanzler. Er sollte mit seiner Politik Deutschland aus der Krise führen. Die Führungen der SPD und der Gewerkschaften hofften, durch Stillhaltepolitik ihre Organisationen bis zum Abwirtschaften der Nationalsozialisten erhalten zu können. Sie glaubten, dass sich auch dieses Kabinett mit Hitler an der Spitze wie alle vorhergehenden Kabinette der Weimarer Republik nicht lange halten werde. Sie wollten dann die Retter sein, wenn das Schiff im sinken sei.
Im ersten Kabinett von Hitler gab es zunächst nur zwei weitere Nationalsozialisten, den Innenminister Wilhelm Frick und den Minister ohne Geschäftsbereich - bald Reichsluftfahrtminister und preußischer Ministerpräsident - Hermann Göring. Wenig später kam Joseph Goebbels als Verwalter des neugeschaffenen Reichspropagandaministeriums hinzu. Vizekanzler war der konservative Papen, Wirtschaftsminister der deutschnationale Parteiführer Hugenberg. Arbeitsminister der bürgerlich rechtsstehende Stahlhelmführer Franz Seldte. Jedoch immer noch mächtigste Figur im politischen Geschehen war - wenn er wollte - der Reichspräsident.
Hitler täuschte zunächst alle seine Koalitionsgenossen mit staatsmännischem Maß, mit Beruhigung und Freundschaft. Nur der Linken versicherte er erbarmungslose Feindschaft.
Während des ersten Wahlkampfes half ein unerwarteter Zufall dem neuen Reichskanzler. Er war aber auch ein Mann, der solche Gelegenheiten hemmungslos auszunutzen verstand.
Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag. Hitler war sofort zur Stelle und beschuldigte die Kommunisten der Brandstiftung und entfachte wieder die große Furcht vor dem Bolschewismus. Freilich gab es nie wirkliche Beweise, dass die Kommunisten hinter dem Brandanschlag standen, aber der der Brandlegung bezichtigte und verhaftete Holländer van der Lübbe sagte aus, angeblich im Auftrag der Kommunisten gehandelt zu haben.
Hitler nutzte die Gelegenheit, einen Feldzug gegen Kommunisten zu entfachen, was allen radikalen und bürgerlichen Kräften imponierte.
Die kommunistische Agitation wurde unterdrückt, ihre Führer verhaftet. Aber auch sozialdemokratische Abgeordnete wurden der Freiheit beraubt. Die sozialdemokratische Presse wurde einige Zeit verboten.
Die Handhabe für dieses Vorgehen bot die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat, die der Reichspräsident auf Vorschlag seines Kanzlers erlassen hatte.
Eine Verhaftung brauchte nun nicht mehr innerhalb 24 Stunden vom Richter nachgeprüft werden. Die Verordnung hatte auch die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit, das Briefgeheimnis und die Eigenrechte der Länder aufgehoben.
Jetzt konnten die nationalsozialistischen Führer alle Willkür walten lassen. Die Parteieigene SA (Schutz-Staffel) stellte aus ihren Reihen "Hilfspolizisten" zur Verfügung, die an Schusswaffen ausgebildet wurden. Den Gebrauch der Waffe hat ihnen Göring ausdrücklich anempfohlen. Das Ende des Rechtsstaates zeichnete sich ab.
Die ersten Meldungen kamen, dass Verhaftete "auf der Flucht erschossen" worden seien. In Kellern und Wohnungen wurden politische Gegner gefoltert.
Die Reichstagswahlen waren ein Triumph für Hitler. Wohl erhielt er nicht die Mehrheit, aber mit 44 Prozent aller Sitze mehr als je zuvor ein deutscher Parteiführer. Zusammen mit 8 Prozent der Koalitionsfreunde verfügte er über die absolute Mehrheit.
Nun konnte er daran gehen, von dem geschlagenen Parlament das Ermächtigungsgesetz zu verlangen, das ihm das Recht geben sollte, ganz ohne Reichstag zu regieren. Da die Verfassung dem Widersprach, brauchte Hitler eine Zweidrittelmehrheit.
Die bürgerlichen Parteien glaubten, ein Widerspruch werde die Nazis nicht aufhalten und wenn sie den Entwurf ablehnten, dann würde sich Hitler mit Gewalt nehmen, was er haben wollte. Jetzt aber gaben Versprechungen wenigstens eine letzte schwache Hoffnung, dass das Schlimmste vermieden werde. Hitler sagte zu, dass die Rechte des Reichspräsidenten nicht berührt würden und dass die Parteien unbehelligt blieben.
In der Sitzung vom 24. März 1933 erhielt dann Hitler die Ermächtigung. Einzig die Sozialdemokraten fanden den Mut das Gesetz abzulehnen.
Das Ermächtigungsgesetz gab Hitler eine Stellung, wie sie noch nie ein Reichskanzler gehabt hatte. Nut noch eine Macht war der seinen überlegen, nur noch ein Mann hätte ihm in den Arm fallen können: der Oberbefehlshaber der Reichswehr, der Reichspräsident. Aber Paul von Hindenburg war froh, dass nun alles geordnet war, dass die Nationalen wieder regierten. Er konnte die Geschehnisse nicht mehr durchschauen.
Hitler konnte nun daran gehen, den Führerstaat so auszubauen, dass ihm eines Tages die alleinige Macht von selbst zufallen muss. Noch im Frühjahr löste er die Kommunistische, einen Monat später die Sozialdemokratische Partei auf. Jetzt begriffen die Bürgerlichen worauf Hitler wirklich hinzielte. Die bürgerlichen Parteien kamen dem Verbot zuvor, in dem sie sich selbst auflösten.
Im Sommer 1933 bestimmte ein Gesetz, dass es nur noch eine Partei geben darf: die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Die Leitung der Gewerkschaften wurden verjagt, aus dem bisherigen Gewerkschaften wurde zusammen mit den Unternehmen die Deutsche Arbeitsfront gebildet. An der Spitze wurde Robert Ley gestellt.
Überall im Reich vollzog sich die Gleichschaltung. Ministerien, Behörden und Verbände wurden der Partei unterstellt. An den wichtigsten Stellen des öffentlichen Lebens traten Parteimitglieder.
Da nur noch eine einzige Staatspartei bestand, die abzulehnen Gefahr bedeutete, und jedermann die Geheime Staatspolizei (Gestapo) fürchtete, wurde das Reich Hitlers ein Staat der Heuchelei und der Lüge.
Am längsten widerstand der Gleichschaltung die Reichswehr und das Auswärtige Amt. Solange der Reichspräsident lebte, durfte Hitler nicht wagen, Hand an sie zu legen.
Nicht alle nationalsozialistischen Führer waren damit einverstanden, dass Hitler die Reichswehr schonte. Der Stabschef der SA, Ernst Röhm war Reichsminister geworden. Er wollte aber mehr. Er wollte die Revolution weitertreiben, die "antikapitalistische Sehsucht" der jungen Generation befriedigen. Vor allem wollte er eine nationalsozialistische Wehrverfassung. In der SA, der auch die noch junge und nach Selbstständigkeit strebende SS (Sturm Staffel) unterstellt war, sah Röhm die künftige Miliz, die mit der Reichswehr verschmelzen sollte. Als er bei Hitler auf Widerstand stieß, wurde er zum Gegner des Parteiführers der ihm zu zahm war.
Im Sommer 1934 hatten die Rivalen Röhms im Ringen um die Macht innerhalb der Partei, Göring und Goebbels, - bei der Reichswehr wohl auch Reichenau -, dem Reichskanzler glaubhaft gemacht, dass Röhm in den nächste tagen die Macht ergreifen wolle.
Röhm mag manchmal an einem Putsch gedacht haben, ging aber niemals ernsthaft daran, eine Verschwörung vorzubereiten.
Im Morgengrauen des 30. Juni 1934 stand Hitler in Wiessee vor dem Bett des Stabschef und verhaftete ihn. So wie diesen erging es den meisten übrigen SA-Führern. Ohne Gerichtsverfahren wurden sie erschossen.
Göring und Himmler benutzten diese Gelegenheit des allgemeinen Mordens, auch andere Gegner des Regimes zu beseitigen. Der General von Schleicher und seine Frau wurden in ihrer Wohnung ermordet, General von Bredow wurde ermordet, auch die engsten Mitarbeiter des Vizekanzlers Papen und des Reichsverkehrsministers von Eltz-Rübenach mussten dran glauben. Gregor Strasser wurde ermordet; insgesamt einige Hundert Tote.
Hindenburg, fern auf seinem Gut in Ostpreußen, durchschaute nicht, was geschah. Er und die Reichswehr griffen nicht ein. Der Chef der Heeresleitung Werner Freiherr von Fritsch wollte wohl handeln, und wohl durchrann die Reichwehr ein dumpfes Beben, - zwei Generale wurden ermordet, von Staatswegen war Mord geschehen! -, aber die Kraft zum Handeln fand er nicht.
Dafür kam nun die Stunde des Heinrich Himmler (Foto). Die Schutz-Staffeln (SS) waren als Leibgarde Hitlers gedacht. Jetzt wurden sie selbstständig und ihr Führer, Reichsführer Himmler, hatte nur noch Hitler als Vorgesetzten.
Nun entstanden die ersten Konzentrationslager (KZ) in denen Gegner der Nazis, Kommunisten, Slawen und während des Krieges vor allem Juden eingepfercht wurden. Unter dem Deckmantel des Zweiten Weltkrieges begannen die Nazis einen Ausrottungsfeldzug gegen das Judentum. 6 Millionen Juden, davon allein 5 Millionen in Auschwitz, wurden in den KZ ermordet.
Himmler gewann die Polizei, vor allem die Gestapo, die Herren über das Leben aller Deutschen. Er gewann mit den Fabrikbetrieben der KZ auch wirtschaftliche Macht. Er drang mit der Waffen-SS in das Heer ein. Er gewann später das Kommando über das Ersatzheer, und über eine Heeresgruppe. Die SA wurde auf innenpolitische Aufgaben zurückgedrängt.
Am 2. August 1934 starb der Reichspräsident Hindenburg. Staatsoberhaupt wurde Hitler. Nach der Verfassung hatte der Präsident des Reichsgericht als Staatsoberhaupt walten müssen, bis das Volk den neuen Präsidenten frei gewählt hatte. Aber wer kümmerte sich jetzt noch um die Verfassung?
Der General von Blomberg ließ sofort die Truppen auf Hitler vereidigen.
Von nun an brauchte Hitler keine Schranken mehr anzuerkennen, aber er wollte Macht auch in Europa. Schon 1933 hatte er begonnen, die Reichswehr insgeheim zu verstärken. Nach Außen hielt er die glühensden Friedensreden. Er beschwichtigte somit den Argwohn des Auslandes und lähmte den Willen zum Eingreifen.
Im Februar 1934 schlossen Polen und Deutschland einen Freundschaftsvertrag. Der Marschall Pilsudski hatte Hitler tief misstraut. Er hatte den Krieg beginnen wollen bevor Hitler stark genug zum Angriff geworden wäre. Aber Frankreich hatte sich ihm versagt, und allein fühlte sich Polen zu schwach. Pilsudski fürchtete zwischen Deutschland und der Sowjetunion vernichtet zu werden; so zog er es vor, wenigstens mit einem der beiden Mächte zu einem Vertrag zu kommen.
Bei einem Aufstandsversuch der österreichischen Nationalsozialisten im August 1934 wurde der Bundeskanzler Dollfuß ermordet. Die moralische Mitschuld der reichsdeutschen Partei war offenkundig. Mussolini ließ Truppen am Brenner aufmarschieren um zu zeigen, dass er einen Eingriff von deutscher Seite nicht dulden werde.
Schon im Oktober 1933 war das Deutsche Reich aus dem Völkerbund ausgetreten, weil sich Frankreich einen schnellen Ausgleich der Rüstung widersetzte. Nun am 16. März 1935 verkündete Hitler die allgemeine Wehrpflicht, was die vollständige Wiederaufrüstung bedeutete. Die Reichswehr wurde in die Wehrmacht umgewandelt. Der Völkerbund erhob Einspruch. Aber niemand handelte, keine Macht marschierte, auch die Franzosen nicht. Der Erste Weltkrieg hatte die Kräfte Frankreichs erschöpft, während Deutschland sein ungebrochenes Selbstbewusstsein bewahrt hatte. Frankreich war müde geworden, und deshalb bemühte es sich, an Hitlers Friedensbeteuerungen zu glauben. Außerdem begann das Ausland zuzugeben, dass die Anklage der Kriegsschuld gegen Deutschland ungerecht gewesen sei, dass man in Versailles Fehler begangen habe und dass man die Mitte Europas nicht immer mit Zwang niederhalten könne. Von daher war die Entschlusskraft der Sieger gelähmt.
Im Juni 1935 schloss Großbritannien ein Abkommen mit Deutschland, das die beiden Flotten in ein Kräfteverhältnis von drei zu eins setzte. Die Hochrüstung der deutschen Flotte unter Kaiser Wilhelm II, die für England lebensbedrohend wurde, war die treibende Ursache für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914.
Großbritannien fand sich damit ab, dass Hitler den Versailler Vertrag zerrissen hatte, es stimmte der deutschen Aufrüstung zu; es suchte sie nur auf dem Gebiet zu begrenzen, das für Großbritannien lebenswichtig war, - auf die Flotte.
Durch die Tatenlosigkeit des Westens ermutigt, ließ Hitler seine Truppen am 7. März 1936 ins Rheinland, der entmilitarisierten Zone, einrücken. Für den Fall dass Frankreich den Einmarsch nicht dulden werde, hatte Hitler den Rückzug ins Auge gefasst. Aber Frankreich sah sich durch Großbritannien gehemmt.
Im November 1936 schlossen Deutschland und Japan ein Pakt gegen die Arbeit der Kommunistischen Internationalen, der ein Bündnis vorbereitete. Und endlich konnte Hitler die Brücke nach Rom schlagen. Mussolini hatte Abessinien angegriffen, der Völkerbund erließ ein Ausfuhrverbot für wichtige Waren nach Italien. Deutschland half nun Mussolini mit Kohlen, darauf fiel Italien von den Freunden von Stresa ab und ging zu Hitler über. Beide Mächte unterstützten mit Divisionen und Fliegern den Aufstand des General Franco gegen die republikanische Regierung in Spanien. Die Achse Berlin-Rom entstand, aus der später die Achse Berlin-Rom-Tokio wurde.


Hitler beim NS-Erntedankfest 1937

Für Hitler waren die diplomatischen Erfolge das Sprungbrett zu der Eroberungspolitik. Nun ging er daran die Führungsspitze der Reichswehr und des Auswärtigen Amtes so umzugestalten, dass er in ihr ein zuverlässiges Instrument sehen konnte.
Zu Beginn des Jahres 1938 entließ er den Reichsminister Blomberg. Blomberg war Oberbefehlshaber der gesamten Wehrmacht gewesen, sein Rücktritt hatte jedoch keine politischen Gründe. Bei seinem Rücktritt riet er Hitler, das Amt selbst zu übernehmen, und Hitler folgte willig dem Rat. An Stelle des Reichskriegsministeriums trat das Oberkommando der Wehrmacht (OKW), das aber nur die Funktion eines Arbeitsstabes des obersten Befehlshaber Hitler ausübte. Die Oberbefehlshaber des Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe unterstanden direkt Hitler. Generaloberst Wilhelm Keitel, ein hitlertreuer Ergebener, wurde der Chef des OKW. Keitel hatte also keine Befehlsbefugnisse, anders als Blomberg.
Der Oberbefehlshaber des Heeres Freiherr von Fritsch wurde durch Generaloberst Walter von Brauchitsch ersetzt. Fritsch wurde in einer schmutzigen Intrige der Neigung zum gleichem Geschlecht bezichtigt, was jedoch später widerlegt wurde. Der Generalstabschef Ludwig Beck drängte Fritsch zum Staatsstreich. Aber offene Auflehnung ging über die Kraft des Generalobersten.

       

     

Freiherr von Fritsch

Franz Halder

Hitler befreite sich auch von Außenminister Konstantin Freiherr von Neurath. Sein Posten übernahm Joachim von Ribbentrop. Walter Funk, ein Vertrauensmann Görings, wurde Wirtschaftsminister, als Nachfolger Schachts.
Mit der in seinem Sinne neugestärkten Führungsspitze des Reiches konnte Hitler darangehen, die Grenzen von Versailles endgültig zu sprengen und seine Macht nach außen zu erweitern. In Österreich war ähnlich wie in Deutschland das parlamentarische Regime zerfallen. An seiner Stelle hatte sich wie in Deutschland zunächst ein konservatives Regime unter Dollfuß gesetzt. Im politischen Alltag war das eine Diktatur der Rechten. Dagegen kämpften von links die Sozialdemokraten, von rechts die Nationalsozialisten. Die österreichischen Nationalsozialisten wollten lange keine Eingliederung ins Reich, sie wollten die Macht übernehmen und sich dann an die befreundete Bewegung des Reiches anlehnen, ohne die staatliche Selbständigkeit aufzugeben. Ähnliche Pläne hatte lange Zeit auch Hitler. Durch scharfen Druck auf Schuschnigg, den Nachfolger von Dollfuß, wollte er das Regime von innen her aushöhlen. Aber in den Verhandlungen mit Schuschnigg wuchsen Zorn und Angriffsverlangen. Göring drängte die Nationalsozialisten an die Macht. Am 12. März 1938 ließ Hitler seine Truppen in Österreich einmarschieren. Und diesmal fand sich kein italienisches Heer, das wie 1934 aufmarschiert wäre. Die Achse Berlin-Rom bewährte sich. Auch die Franzosen marschierten nicht.
Schon in den nächsten Tagen schleppte die Geheime Staatspolizei Juden, Katholiken, Sozialisten in die Konzentrationslager.
Im Frühjahr 1938 sagte Hitler zu seinen Untergebenen, sein nächstes Ziel sei die Tschechoslowakei zu zerschlagen. Die inneren Zustände in diesem Staat kamen ihm entgegen. Die Tschechen hatten die Probleme des Vielvölkerstaates so wenig bewältigen können, wie früher die Donaumonarchie. Unter den Deutschböhmen entstand bittere Feindschaft gegen das Regime. Sie hatten sich in der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins, einem Ableger der Nationalsozialistischen Partei, ein Organ geschaffen, das Hitler jederzeit zur Verfügung stand.
Den gefährlichsten Widerstand für diesen Schritt fand Hitler in der Wehrmacht. Große Teile des Offizierskorps dachten anders als ihr Führer. Der Sprecher dieser Gruppe wurde Generalstabschef Ludwig Beck. Er war Fachmann genug, zu wissen, dass dieser Weltkrieg, - der komme, wenn Hitler die Tschechei zerschlage und so weiter mache -, den Untergang des Reiches bedeuten muss. Beck fand in dem Generalobersten von Brauchitsch Zustimmung, bei Hitler wütende Ablehnung. Beck wollte die Generalität bewegen, ihre Ämter niederzulegen. Er hoffte, dann werde Hitler darauf verzichten, sein gewagtes Unternehmen auszuführen.
Brauchitsch teilte zwar mit seinem Generalstabschef die Überzeugung, dass ein Krieg für Deutschland Unheil bedeuten werde, aber zu dem Schritt, den Beck vorschlug, konnte er sich nicht entschließen, ebenso wenig die anderen Generale. Der Mann, der am 30. Juni 1934 seine engsten Mitarbeiter hatte niederknallen lassen, wäre sicher nicht vor einem Massenrücktritt der Generale zurückgewichen.
Beck zog daraus für sich die Konsequenz und erklärte im August 1938 seinen Rücktritt, der von Hitler angenommen wurde. Neuer Generalstabschef wurde der bayrische General Franz Halder.
Halder hielt schon 1938 Verschwörung für eine Pflicht des deutschen Offiziers. In seiner Hand liefen die Fäden eines anderen Komplottes zusammen, das in diesem Sommer und Herbst des Jahres 1938 ein Teil der deutschen Generalität zusammenführte.
Sobald es feststand, dass Hitler den Krieg beginnen würde, sollten die Berliner und Potsdamer Garnison losschlagen. Ihre Kommandeure Erwin von Witzleben und Graf Brockdorff-Ahlefeld, waren mit Halder im Bunde. Das Regierungsviertel sollte besetzt werden und Hitler verhaftet werden. Am Ende sollte wieder ein parlamentarisches Regime errichtet werden.
Die Offiziere wollten nur handeln, wenn die Kriegsgefahr unmittelbar bevorstand. Nur wenn das deutsche Volk dicht vor der Gefahr seines Lebens stand, konnte Halder und Witzleben darauf rechnen, dass die Nation auf ihrer Seite stehen würde. Alles hing davon ab, ob die Westmächte den ernsten Willen hatten, es lieber zum äußersten kommen zu lassen, als Hitler die Bastion im Herzen Mitteleuropas einzuräumen. Dann würden die Generale handeln.
Aber dieser Wille bestand nicht. Der französische Ministerpräsident Daladier wäre vielleicht marschiert, anders als sein Vorgänger vor zwei und drei Jahren. Aber nun war das deutsche Heer zu stark geworden. Er brauchte die Hilfe Großbritanniens. Der Premierminister Nevill Chamberlain war von der Generalverschwörung unterrichtet, aber er wollte sich nicht darauf verlassen. Er war zu einer Verständigung bereit.
Mussolini vermittelte. Am 29. September 1938 unterzeichneten Chamberlain, Daladier, Mussolini und Hitler in München das Abkommen, das Deutsch-Böhmen zu einem Teil des Reiches machte. Hitler hatte einen neuen strahlenden Triumph davon getragen. Halders große Verschwörung war beendet.
Bis München hatte Chamberlain nicht verstanden, wer Hitler eigentlich war. Jetzt erst, in den Verhandlungen auf dem Obersalzberg bei München, in Godesberg und in München war in Chamberlain eine Ahnung davon aufgestiegen, dass er Hitler bisher falsch gesehen hatte. Im folgenden Jahr hatte Chamberlain begonnen, Großbritannien noch im Frieden hochzurüsten.
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 ereignete sich ein schreckliches Geschehnis, das als "Reichskristallnacht" in die Geschichte eingegangen ist.
Schon seit 1933 waren Juden Schritt für Schritt entrechtet worden. Die Nürnberger Gesetze vom 15. September 1935 hatten ihnen endgültig die Möglichkeit genommen, Beamte zu werden oder Ehen mit Nichtjuden einzugehen. Die Regierung wie die Juden polnischer Staatsangehörigkeit aus. Der Sohn eines von ihnen mit Namen Grynspan, beschloss in einem Anfall von verzweifelter Wut, den deutschen Botschafter in Paris zu ermorden. Er traf mit seinen Schüssen den Legionsrat von Rath.
Das war für die Führer der Nationalsozialisten der ersehnte Anlass, den Hass gegen die Juden freien Lauf zu lassen. Eine wilde Aufpeitschung des Rassenhasses. Sechs Wochen nach dem Münchner Abkommen, in der zum 10. November wurden Hunderttausende Juden aus ihren Wohnungen geholt, viele blutig geschlagen, viele ermordet, die Wohnungen zertrümmert, Büroeinrichtungen und Läden vernichtet, die Schaufenster fielen in klirrenden Scherben, Synagogen wurden angezündet.
Den misshandelten Juden wurde eine eine Milliarde Mark an Geldbuße auferlegt, sie wurden nun aus dem Wirtschaftsleben ganz verdrängt. Später wurden sie gezwungen, einen gelben Stern zu tragen, um sie als "Untermenschen" vom übrigen Volk abzusondern. Mit jedem dieser Ereignisse verschlechterte sich die moralische Stellung Deutschlands in der Welt.
Die nationalsozialistische Regierung hat es klug genutzt, dass Brüning die finanzielle Schuld des Staates gesenkt, den Ausgleich des Haushalts erzwungen und die Wirtschaftskrise, wenn auch auf der tiefen Ebene der Not, zum Stillstand gebracht hatte. 1933 begann die Nazi-Regierung umfangreiche Unternehmungen gegen die Arbeitslosigkeit. Das Wiedererwachte Vertrauen kam hinzu. So begann die Wirtschaft wieder aufzublühen. Aber der Aufschwung war teuer bezahlt.
Der im August 1934 zum Reichswirtschaftsminister berufene Dr. Hjalmar Schacht verkündete im September 1934 den "Neuen Plan", der vorsah, die Einfuhren auf rüstungswichtige Güter zu beschränken, dagegen den Export zu erweitern, um mehr Devisen für den Import von strategischen Rohstoffen zu beschaffen. Anfang 1936 zeigte es sich jedoch, dass die Politik des "Neuen Planes" nicht mehr ausreichte; der Export konnte die Aufrüstung nicht mehr sichern. Nur die kundige Hand des Reichsbankpräsidenten, der Schacht nach seiner Abberufung als Wirtschaftsminister blieb, bewahrte die deutsche Währung vor den Zerfall.
Im März 1939 gelang Hitler, was ihm seit den Anschluss Österreichs als nächstes Ziel vorgeschwebt hatte. Er unterstützte die Unabhängigkeitsbestrebungen der Slowaken, engte damit die Tschechei noch weiter ein, rief schließlich den Staatspräsidenten Hacha nach Berlin und setzte ihn hier unter schwersten Gewissensdruck. Vor den Augen des geängstigten Gastes entwarf Göring (Foto) das Bild einer durch einen Bombenhagel verwüsteten Hauptstadt. Hacha gab nach und "stellte sein Land unter dem Schutz des Deutschen Reiches". Als Protektorat Böhmen und Mähren wurde es eingegliedert. Reichsprotektor wurde Innenminister Wilhelm Frick.
Am 15. März 1939 marschierte die Wehrmacht in die Tschechei ein. Wieder war Hitler niemand in den Arm gefallen. Die Westmächte sahen sich nun auch militärisch in der schwierigsten Lage, denn die Wehrmacht war nicht mehr die schwache Armee von 1936. Vor dem Münchener Abkommen wäre die Sowjetunion bereit gewesen, gegen Hitler mitzumarschieren. Aber nach München glaubte Stalin den Westmächten ihre Entschlossenheit nicht mehr, Hitler zu bekämpfen. Hitler hatte sein Wort gebrochen, den Rest der Tschechei in Frieden zu lassen. Von Prag an war nun Großbritannien entschlossen, das Schwert zu ziehen, sobald Deutschland noch einmal versuchen werde, Gewalt gegen ein kleines Volk anzuwenden.
Hitler sah die Gefahr nicht, die er mit dem Einmarsch in Prag heraufbeschworen hatte. Im Frühjahr 1939 umwarb Hitler den östlichen Nachbarn. Er forderte, dass die Stadt Danzig, die durch den Versailler Vertrag als sogenannte Freie Stadt dem Völkerbund unterstellt worden war, wieder deutsch werden sollte, außerdem sollte das Reich eine gesicherte Verbindung mit Ostpreußen gewinnen. Aber die polnische Regierung weigerte sich standhaft. Jedermann sah, dass Polen das nächste Opfer sein soll. Aber bevor es soweit war, wollte Hitler den Rücken frei haben. Er wollte nicht den Fehler der kaiserlichen Diplomatie eingehen, er wollte keinen Zweifrontenkrieg.
Die Westmächte verhandelten im Sommer mit den Sowjets darüber, wie die östliche Großmacht dem polnischen Staat im Falle eines deutschen Angriffs beistehen könne. Aber sie führten die Verhandlungen nur schleppend. Schon aber hatten die Diplomaten Hitlers und Stalins miteinander zu verhandeln begonnen. Endlich hatten sich Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion grundsätzlich geeinigt, da verweigerte Polen den russischen Truppen für den Ernstfall das Recht zum Durchmarsch. Es glaubte stark genug zu sein, Hitler Widerstand leisten zu können, bis westliche Hilfe heran kam. Die Sowjetunion fühlte sich verhöhnt, sie vollzog nun den letzten Schritt zur Annäherung ans Reich.
Am 23. August 1939 unterzeichneten in Moskau Stalin und Ribbentrop einen Freundschaftspakt. In einem geheimen Zusatzprotokoll teilten sie polen untereinander auf. Auch der größte Teil der baltischen Staaten wurde der Sowjetunion als Einflussgebiet zuerkannt. Hitler hoffte, der Eindruck des Paktes werde so stark sein, dass die Westmächte ihre Absicht aufgeben würde, Polen zu helfen. Und wenn sie dennoch eingriffen, - auch damit rechnete Hitler -, so würde er Polen niederwerfen können, ehe die Westmächte heran wären.
Polnische Selbstüberschätzung und westlicher Respekt vor polnischer Tapferkeit hielten einen langen Widerstand für gewiss. Hitlers unheimlicher Blick für die Schwächen des Gegners sah schärfer. Dennoch war der Pakt mit Stalin kein Erfolg. Hitler hatte den Osten erobern wollen, aber ein befreundetes England hatte ihm zur Seite stehen sollen. Jetzt hatte er Freundschaft mit der Sowjetunion, aber Großbritannien war sein erbitterster Feind. Als Hitler zwei Jahre später versuchte, zu dem ursprünglichen Plan zurückzukehren, landete er da, wo er sich geschworen hatte, niemals hinzugelangen: zum Freifrontenkrieg.
Hitler hatte sich viele Feinde gemacht, im In- und Ausland, und immerwieder gab es Pläne und Versuche, ihn aus dem Weg zu räumen. Der Arbeiter Georg Elser wollte Hitler am 8. November 1939 mit einer selbstgebastelten Zeitbombe im Münchener Bürgerbräu, in dessen Keller Hitler sechszehn Jahre zuvor die nationale Revolution verkündet hatte, in die Luft jagen. Die Bombe explodierte jedoch erst zwanzig Minuten nach der ungewöhnlich kurzen Rede des Staatsoberhauptes. Die NS-Propaganda lastete dieses Attentat eilig dem britischen Geheimdienst an.
Der britische Militärattaché Sir Noel Mason-Mc Farlane beobachtete in Berlin, dass die tribüne der alljährlichen Führer-Geburtstagsparade vis-a-vis seiner Wohnung Sophienstrasse 1 aufgestellt wird und reiste folglich nach London in der Einsicht, Hitler müsse 1939 an seinem 50. Geburtstag dort erschossen werden, weil sonst unweigerlich der Zweite Weltkrieg komme. Doch England verweigerte dem General den nötigen Scharfschützen, der unentdeckt aus dem Fenster Mac-Farlanes den Kriegstreiber umlegen hätte können.

 

 

 


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